Tarik, 5 Jahre
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Das Essen

Hilfe, mein Kind will nichts essen...

Die Sorge und Unsicherheit vieler Eltern ist absolut verständlich, schließlich wünscht man sich das Beste für sein Kind und misst deshalb an den eigenen Maßstäben und Expertenmeinungen, welche und vor allem wie viel Nahrung die Richtige ist. Doch aus eigener Kindheitserfahrung kann ich sagen, dass nichts schlimmer ist, als das Essen permanent zum Thema zu machen. Sätze wie: „Du isst zu wenig. Du bist so dünn. Das Gemüse ist gesund und wichtig für dich. Du steht erst auf, wenn der Teller leer ist.“ bewirken eher das Gegenteil der gut gemeinten Kritik! Es ist also nicht verwunderlich, wenn (in späteren Jahren) Essstörungen wie Magersucht, Bulimie oder Übergewicht folgen.
  
Nicht-Esser und ...
"Gar-Nichts-Esser" oder "Nicht-Alles-Esser"

Es gibt unterschiedliche Nicht-Esser, meiner Meinung nach sind dies „Gar-Nichts-Esser“ und „Nicht-Alles-Esser“. So kommt es vor, dass Kinder vor dem gefüllten Teller mit Kartoffeln, Schnitzel und Möhrengemüse sitzen: Das eine stochert im Essen herum und rührt einfach gar nichts an, das andere mag vielleicht nur die Spaghettis mit Butter und verweigert die Bolognese-Soße. Dafür freut es sich bereits auf den Schokoladenpudding zum Nachtisch. Das geht natürlich nicht, denkt man sich. Aber warum eigentlich nicht?

Zwar wurde uns in unserer Kindheit anhand der Geschichte vom „Suppen-Kasper“ („Struwwelpeter“) eingeredet, was mit einem Kind passiert, wenn es nichts bzw. nicht „anständig“ isst, doch das ist natürlich übertrieben. Ganz bestimmt nimmt jedes Kind zwischendurch „irgendetwas“ zu sich, und hier kommt der zweite Typ ins Spiel: der „Nicht-Alles-Esser“. Er lehnt beispielsweise Kartoffeln ab, rührt kein Fleisch an oder spuckt Kohlrabi wieder aus. Hier ist es schon wichtig, darauf zu achten, dass der Sprössling nicht nur das isst, was er am Liebsten mag – vorzugsweise Süßigkeiten. Denn dann drohen vermutlich doch Mangelerscheinungen bzw. gesundheitliche Beeinträchtigungen wie Karies. Aber auf der anderen Seite: Mögen Sie alles essen? Muscheln? Rosenkohl? Eisbein? Warum zwingt man Kinder dazu, weil es augenscheinlich gesund ist, viel Gemüse zu essen? Wenn Sohn oder Tochter beispielsweise Äpfel, Paprika oder Weintrauben besonders gerne isst, dann kann man davon doch alternativ regelmäßig Häppchen bereithalten, denn gesunde Zwischenmahlzeiten sind in Ordnung. (Jedoch sollten im wahrsten Sinne des Wortes möglichst keine „Extra-Würste“ gebraten werden nach dem Motto: „Das magst du nicht? Dann mache ich dir schnell etwas anderes.“) Das gilt übrigens auch für die „Gar-Nichts-Esser“: Wenn regelmäßig „sinnvolle“ Kost angeboten wird, greift selbst der zarteste Spatzen-Esser sicher ab und zu dazu.

Aber bitte ohne Zwang

Man sollte bei der Vielzahl übergewichtiger Kinder froh sein, wenn der eigene Spross ein für Sie vielleicht unnatürliches Essverhalten an den Tag legt, aber offensichtlich nach eigenen Ermessen sehr wohl weiß, wann er denn Hunger verspürt. Gut gemeinte, verallgemeinerte Ratschläge nützen hier relativ wenig, vielmehr sollte das Thema insgesamt nicht ganz so ernst genommen werden. Natürlich ist es wichtig, dass regelmäßige Mahlzeiten angeboten werden und das Kind dadurch realisiert, was feste und vor allem gemeinsame Essenszeiten bedeuten. Doch wenn dann einmal etwas – oder auch etwas mehr – auf dem Teller übrig bleibt, ist das nicht gleich ein Weltuntergang. Dem vorzubeugen kann man lediglich empfehlen, immer nur ganz kleine Portionen aufzutun und den Sprössling auch in die Auswahl und Zubereitung der Speisen einzubeziehen. Meine Kinderärztin empfahl meiner Mutter damals: „Machen Sie Ihrer Tochter doch das, worauf sie Appetit hat.“ So bekam ich eine zeitlang beinahe jeden Tag etwas für uns ganz Besonderes: ein leckeres Steak mit Kräuterbutter...

Langsam gewöhnte ich mich wieder ans „normale“ Essen, und die Probleme lösten sich nach und nach von selbst – ganz ohne Zwang, Druck, Erpressung und Bestrafung. Denn Essgewohnheiten und -vorlieben verändern sich häufig sowieso im Laufe der Entwicklung.

Tipps für Eltern

Das Essen vor Kindern nicht permanent zum Thema machen, sie aber durchaus in die Entscheidung der Mahlzeiten einbeziehen: „Was magst du? Was soll ich heute kochen?“
Möglichst nur kleine Portionen auf den Teller tun und nicht übermäßig schimpfen, wenn der Sprössling partout nicht aufessen mag. Wer satt ist, ist satt. Bereits Kinder müssen ein Sättigungsgefühl entwickeln und sollten nicht über den Hunger hinaus gezwungen werden.
Feste und gemeinsame Essenzeiten einhalten, um ein Bewusstsein dafür zu entwickeln.
Bei Zwischenmahlzeiten auf gesunde Kost wie Obst und Gemüse achten. Eltern können hier ein Vorbild sein indem Süßigkeiten möglichst gar nicht im Haushalt vorhanden sind.

(Quelle: http://www.fibie.de/)

 


 

 
 
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